Sybille von steinfarben im Interview

Hallo!

Stelle dich doch bitte kurz vor: Wie und wo lebst du, was machst du, wenn du nicht gerade an deinem DIY-Projekt arbeitest

Ich heiße Sybille Frey und lebe mit meinem Mann in Stockelsdorf vor den Toren Lübecks. Ich bin freiberufliche Übersetzerin für die englische Sprache und habe mich auf das Fachgebiet Politik spezialisiert.

Bitte stell uns dein DIY-Projekt vor: Um was handelt es sich genau und seit wann beschäftigst du dich damit?

Mein Label steinfarben, das seine ersten Schritte 2015 machte, steht für Schmuck aus Naturmaterialien. Die Perlen der Ketten und Armbänder, die ich in Handarbeit fertige, stammen größtenteils aus dem Fairen Handel. Am liebsten arbeite ich mit: • Keramik aus Kenia, • Tagua aus Ecuador und Kolumbien, • Recyclingglas aus Ghana, • Horn aus Madagaskar und • Steinen aus aller Welt. Viele dieser Perlen sitzen nicht stramm in Reih und Glied und drehen sich auch schon mal, wie sie wollen. Das Ergebnis ist nichts für graue Mäuse: lebendiger Schmuck, der aus der Reihe tanzt und was zu sagen hat.

Was hat dich zu deinem DIY-Projekt gebracht?

Das waren zwei Dinge: Zum einen erwachte – ziemlich plötzlich und unerwartet – meine fast vergessene Kreativität zu neuem Leben. Zum anderen wollte ich nicht länger nur über politische Inhalte schreiben (sprich: Texte anderer übersetzen), sondern ich wollte selbst ein bisschen praktische Politik machen. Dazu später mehr.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?

Am besten gefällt mir, dass ich meiner Fantasie freien Lauf lassen kann und am Ende des Tages sehe, was ich geschafft = geschaffen habe. Als Übersetzer verbringt man oft Stunde um Stunde damit, Texte zu verfassen, die irgendwo im „Nirwana“ verschwinden. Wer nicht gerade Bücher oder Bedienungsanleitungen übersetzt, kann die Ergebnisse seiner Arbeit oft kaum greifen und erst recht nicht anfassen. Ganz anders ist das, wenn man Schmuck fertigt: Eine Kette kann ich nicht nur in die Hand nehmen – ich kann sie sogar an einer Frau bestaunen und mich freuen, wenn sie gut zu ihr passt. Das ist sehr befriedigend und motivierend.

Was sind deine größten Inspirationsquellen?

Zuallererst mein Liebe zu Farben, meine Fantasie und mein Eigensinn. Aber natürlich auch das, was andere machen. Ich lebe ja nicht auf einer einsamen Insel. Deshalb ist, was meine eigene Fantasie hervorbringt, immer auch ein Produkt all dessen, was ich täglich um mich herum wahrnehme.

Hast du einen Traum/eine Idee, die du gerne mit deinem DIY-Projekt umsetzen würdest?

Ja, in der Tat. Das Fertigen von Schmuck macht mir nicht nur Spaß, sondern erlaubt mir auch, ein bisschen „Politik zu machen“: Mit steinfarben möchte ich die Idee des Fairen Handels (englisch Fair Trade) bekannter machen. Der Welthandel in seiner jetzigen Form ist zutiefst ungerecht und der Faire Handel ein Weg, das zu ändern: durch gerechtere Handelsbeziehungen und durch entsprechende Aufklärung. Jeder Käufer, der bewusst fragt, woher ein Produkt kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde, trägt dazu bei. Wenn sich die Nachfrage ändert, weil immer mehr Leute kritisch nachfragen und vor allem kritisch kaufen, wird sich auch das Angebot ändern. Ich bin überzeugt, dass wir, die Verbraucher, das erreichen können, und möchte andere darauf hinweisen und motivieren, mitzumachen – mit meinem Schmuck aus fair gehandelten Perlen.

Welche Bastel-Aktion aus deiner Kindheit ist dir im Gedächtnis geblieben?

Oh, ziemlich viele. Als Kind war ich extrem produktiv, habe ständig gemalt, gestrickt, genäht, geschnippelt, Perlen aufgezogen. Irgendwie ging mir im Laufe der Jahre die Energie dafür verloren – aber nun ist sie wieder da!

Verrätst du uns, welches DIY- Projekt für das beginnende Jahr gerade auf deinem Schreibtisch liegt, worauf dürfen wir uns demnächst freuen?

Ich möchte meinen Kindheitstraum wahr werden lassen und Steine zu Schmuck verarbeiten, am liebsten Kieselsteine, die ich an den Stränden von Ost- und Nordsee finde. Ein bisschen Meerglas wird auch dabei und alles zusammen „steinfarben“ sein – Nomen est Omen. Aber mehr verrate ich nicht.

Gibt es etwas, was du Interessierten abschließend als Tipp mitgeben möchtest?

Es ist fast egal, aus welchem Material du etwas gestalten und fertigen willst: Wenn du voll und ganz dahinterstehst, kaufen es dir die Leute auch ab.

Vielen Dank!